Viele Leute scheinen sich Ledermode zu kaufen, die sie dann nur bei schönstem Wetter oder zu bestimmten Anlässen in Innenräumen tragen, weil sie ihnen im Alltag zu empfindlich gegen Nässe oder Verschmutzung ist. Dabei sind bestimmte Arten von Lederbekleidung ausgesprochen geeignet, gegen schlechte Witterung - Wind, Regen und Schnee - zu schützen und der Trägerin oder dem Träger ein Höchstmaß an Komfort zu bieten. Wichtig ist nur ein Minimum an fachgerechter und regelmäßiger Pflege:
Lederfett:
Zum wasserfesten und schmutzabweisenden Imprägnieren von Nappaleder
(Glattleder) empfehlen wir Lederfett. Die Bezeichnung ist etwas irreführend,
denn in Wahrheit handelt es sich eher um eine Wachsmischung. Es gibt Lederfett
in schwarz und farblos in Läden für Motorradbekleidung, etwas teurer auch in
Drogeriemärkten, Schuhgeschäften und gutsortierten Supermärkten. Bei
schwarzer Lederbekleidung sollte man nach Möglichkeit auch schwarzes Lederfett
verwenden, da das farblose evtl. einen feinen Grauschleier hinterlassen kann.
Lederfett muß nach starken Regengüssen bzw. routinemäßig nach einiger Zeit häufigen
Tragens ergänzt werden. Helle Kleidungsstücke können allerdings nach dem
Einfetten etwas dunkler wirken!
Der Auftrag erfolgt mit einem weichen, fusselfreien Baumwoll-Lappen (z.B. altes Unterhemd); man macht einen mandarinengroßen Ballen, den man kurz in die Dose mit dem Lederfett dippt wie einen Wattequast in eine Puderdose, und trägt das Fett dünn und ohne viel Druck auszuüben auf die Bekleidung auf. Nähte und stark beanspruchte Stellen - Schultern, Ärmel, bei Hosen besonders auch die Vorderseiten der Oberschenkel und Rückseiten der Unterschenkel - bekommen etwas mehr Fett. Dann hat man die Wahl, das Kleidungsstück gleich anzuziehen oder an einem warmen Ort (z.B. Badezimmer) frei aufzuhängen, damit das Fett gut einziehen kann. Nach einigen Stunden kann man das überschüssige Fett mit einem frischen Baumwoll-Lappen wieder aufnehmen; das Kleidungsstück darf sich dann nicht mehr "klebrig" anfühlen.
Bitte Vorsicht bei hochglänzend zugerichtetem Rindleder: Hier nur ganz besonders sparsam fetten (bzw. wachsen), da die geschlossenere Oberfläche viel weniger Lederfett aufsaugt als das offenporigere Schaf- oder Lammnappa. Auch bei Lederbekleidung, die über ein Innenfutter mit Funktionsmembran (Goretex, Sympatex, Thinsulate etc.) verfügt, sollte man sparsam fetten, da überschüssiges Fett durch die Lederporen hindurch ziehen und dann die Mikrofasern des Futterstoffs zusetzen kann.
Bei Velours (landläufig "Rauh"- oder "Wildleder" genannt) und Nubuk (angeschliffenes Nappa) kommt man leider kaum um diese nicht gerade umwelt- und menschenfreundlichen Imprägniersprays herum. Für Nappa sind sie hingegen verzichtbar, ja schädlich (Austrocknung des Leders!); hier ist Einfetten das einzig Wahre. Für Outdoor- oder Alltagsbekleidung ist Veloursleder also gegenüber Nappa unter dem Gesichtspunkt der Pflege und natürlich auch des Witterungsschutzes klar im Nachteil.
Manche schwören auf Babyöl
oder Nivea-Creme zum Weich(er)machen ihrer Nappasachen, andere wiederum
auf Ledermilch. Dazu sagen wir: Hände weg! Hautpflegeprodukte für den
menschlichen Gebrauch sind gänzlich ungeeignet, da das in ihnen enthaltene Fett
- oft Paraffin - bei Luftkontakt rasch verdirbt, seinen PH-Wert in Richtung
"sauer" verändert und schließlich genau den gegenteiligen Effekt
hat: Das Leder wird geschädigt, im Extremfall brüchig. Zudem macht das in
solchen Emulsionen enthaltene Wasser das Leder nicht wasserresistenter, sondern
führt zu kleinen Ausbeulungen ("Wasserwarzen"). Durch manche Produkte
wird das Leder sogar noch aufnahmefähiger für Feuchtigkeit. Ein nicht eben gewünschter
Effekt einer Imprägnierung! Der Ledermilch trauen wir nicht so ganz über den
Weg, da über die Inhaltsstoffe nichts auf der Flasche verraten wird - ein Manko
der gesamten Lederpflegechemie. Hier steckt der Verbraucherschutz noch in den
Kinderschuhen.
Schäden
und Verschmutzungen:
Abgestoßene Stellen und kleinere Kratzer
kann man vor allem bei dunkler,
durchgefärbter Kleidung oft problemlos mit Tuben-Schuhcreme oder -Deckcreme (=
kräftiger deckend) in der passenden Farbe ausbessern. Den Farbton an einer
unsichtbaren Stelle des Kleidungsstücks vorher antesten. Manchmal wirkt aber
sogar schon das farblose Lederfett so stark optisch egalisierend, daß ein extra
Farbauftrag gar nicht unbedingt notwendig wird.
Fettflecke sind unproblematisch: Das Fett zieht nämlich rückstandsfrei in das Leder ein.
Ärgerlich und schwer zu beseitigen sind hingegen Kugelschreiberstriche, die beim Zuschnitt der Lederteile entstehen und manchmal auch an exponierten Stellen sichtbar bleiben (Profis zeichnen die Schnitte eigentlich auch auf der Lederrückseite vor). Man kann versuchen, sie vorsichtig mit farbloser Nappacreme oder Lederfett auszureiben. Gerade bei hellem Leder sind diese Bemühungen aber nicht selten vergebens! Unser Tip: Entweder gleich beim Kauf reklamieren oder darauf hoffen, daß sie mit der Zeit ausbleichen. Noch einfacher: Das betreffende Bekleidungsstück einfach nicht kaufen!
Niemals mit scharfen Lösungsmitteln (Benzin, Aceton, Spiritus, Nitroverdünnung etc.) versuchen, Verschmutzungen zu entfernen! Diese verschwinden zwar, die Farbe des Leders aber auch gleich mit.
Normale Dreckspritzer kann man entfernen wie auf der eigenen Haut auch: mit lauwarmem Wasser und milder Seife. Nach dem Trocknen (nicht an der Heizung! Kleidung auf einen Bügel hängen) nachfetten. Schneeränder kann man mit Essigwasser (wenig Haushaltsessig verwenden!) abwaschen, anschließend die Stelle wieder einfetten.
Alle Hinweise wurden aufgrund
langjähriger Erfahrungen nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt.
Gleichwohl müssen wir natürlich jede Haftung, Schadensersatzansprüche und
dergleichen, die aus einer fehlerhaften Anwendung der beschriebenen Pflegemittel
und -verfahren abgeleitet werden, ablehnen.
Quelle: www.leathered-life.net